Weihnachten und die Zeit - eine unendliche Geschichte

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Im Essener Lokalteil veröffentlicht die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) jeden Tag ein kurzes Interview mit einem Passanten oder einer Passantin. Jetzt in der Vorweihnachtszeit beziehen sich die gestellten Fragen selbstredend auf das große Fest. Eine Frage lautet zum Beispiel: „Gehen Sie Heiligabend in die Kirche?” Eine gestern befragte Frau antwortete darauf: „Nein, aus Zeitmangel nicht, und das Interesse fehlt auch”

Weihnachten sollte Ruhe und Kraft sein.
Foto: tschiae/Flickr
Ist diese Aussage an Widersprüchlichkeit bzw. Konsequenz (je nachdem, wie man die Situation betrachtet) überhaupt noch zu übertreffen? Mir geht es heute nicht um das mangelnde Interesse der Interviewten an einem Kirchenbesuch (das ist ein Thema für sich). Entscheidend ist für mich die Aussage: „Aus Zeitmangel.”

Es ist in den letzten Tagen und Wochen fast zu meinem persönlichen Mantra geworden: wir leben in einer Welt des Konsums; wir sind eine vollends vom Kommerz geprägte Gesellschaft. Immer wieder wird dies deutlich am sogenannten „Streben nach mehr“: in unserem Alltag halten wir inzwischen viel zu selten an und machen Rast, lassen uns nur zu oft von der Welle der ständigen Aktivität treiben. Widerstandslos.

„Ich habe keine Zeit“

Man kann diese Entwicklung als Einzelner bemerken und in der Gesellschaft ansprechen. Aber gegen die Wellen der Aktivität kommt man nicht an. Die einzige Ausnahme, der einzige Fels in der Brandung war bisher immer das Weihnachtsfest. Weihnachten war immer der Zufluchtsort vor der im Alltag vergegenwärtigten Hektik und Anspannung.
Bisher.

Inzwischen ist unsere Gesellschaft an dem Punkt angelangt, an dem selbst das Fest der Geborgenheit und Liebe, der familiären Gemeinschaft und der Besinnung auf Ruhe und Abstinenz von der alltäglichen Unruhe von eben dieser eingenommen worden ist.

Weihnachten als Chance zum Rückzug

Noch einmal: mir geht es nicht darum, dass die befragte Passantin an Heiligabend keine Zeit hat, in die Kirche zu gehen; mir geht es viel mehr darum, dass sie ein generelles Zeitproblem hat (das durch Heiligabend erst verdeutlicht wird) - und somit Stellvertreterin unserer gesamten Gesellschaft ist.

Dabei gibt es im Jahr wohl keine solch gute Möglichkeit, sich dem alltäglichen Stress und Lärm zu entziehen wie im Advent und an Weihnachten. Die Zeit der Ruhe, der Geborgenheit und der Liebe, die Zeit der Gemeinschaft und des Beisammenseins mit unseren Familie, Freunden und Liebsten lädt uns geradezu dazu ein, uns auf das Entscheidende zu fokussieren: aus dem alltäglichen Lärm heraus in einen „Raum“ der Ruhe zu treten und die in den unnötigen Situationen und Kämpfen der alltäglichen Lebens verlorene Zeit wiederzufinden. Wir müssen nur hinhören.

Was sagt ihr zu dem Thema? Sollte Weihnachten wieder verstärkt als „Hort der Ruhe verstanden werden? Oder glaubt ihr, dass meine Argumentation nicht auf die gesamte Gesellschaft übertragen werden kann? Ich freue mich wie immer über eure Kommentare!“

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